ARCHIV bis 2013
Veranstaltung
- Titel:
- Manto
- Wann:
- 20.07.2012 20.00 h
- Wo:
- Club Voltaire - Tübingen
- Kategorie:
- Lesung
Beschreibung
Freitag, 20.Juli 2012, 20 Uhr
Saadat Hasan Manto
Gedenkveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstages des weltbekannten Urdu-Autors
Am 20. Juli gedenken wir im Club Voltaire des Urdu-Schriftstellers Saadat Hasan Manto. Sein gleichermaßen in Indien wie Pakistan bekanntes literarisches Werk war zu seinen Lebzeiten von linken und progressiven Kritikern, den er sich zugehörig fühlte, mißverstanden. Heute aber werden seine Geschichten gerade von linken und progressiven Kreisen in beiden Ländern gewürdigt, er wird in diesem Jahr in Indien wie Pakistan gefeiert. Nicht nur Künstler, Regisseure, Maler und Schriftsteller wie Salman Rushdie beziehen sich auf seine Kritik der Teilung Indiens (Partition) – selbst die junge Generation beider Länder zeigt sich heute von Mantos Verarbeitung des Themas tief beeindruckt. Meine Geschichten, schrieb er im Vorwort zu seinem ersten Erzähl-band, sind Funken; Sache des Lesers ist es, sie zu Flammen zu entfachen. Doch Manto war kein Ideologe; zwar stand er lange Zeit der Ver-einigung progressiver Schriftsteller nah, ließ sich aber nie für deren politische Positionen vereinnahmen. Sein Werk ist von Anfang an vor al-lem Ausdruck einer moralistischen Revolte; es entspringt weit mehr einem radikalen humanistischen Impuls als ›linker‹ oder marxistischer Gesellschaftskritik. Bis in die 1940er Jahre ist das satirische Element vorherrschend; insbesondere die Entlarvung der verlogenen Sexualmoral der indischen Mittelschicht erregte Anstoß und brachte den Autor mehrfach wegen des Vorwurfs der Obszönität vor Gericht. Seinen Lebensunterhalt verdiente Manto ab den späten 1930er Jahren durch Hörspiele für All India Radio, ab Anfang der 1940er Jahre als Drehbuchautor für die Bombay Talkies; im Rückblick auf diese Zeit schrieb er einige eigenwillige und manchmal auch böse Porträts über ihm nahestehende Schauspieler und andere Persönlichkeiten der damaligen Filmszene. Mit dem Ausbruch religiös legitimierter Gewalt während der Teilung Britisch Indiens in die Staaten Indien und Pakistan ändert sich der Ton: die Darstellung nackter Brutalität in einigen der stärksten Erzählungen nach 1947 steht gleichsam unter Schock. Unter dem Eindruck zunehmender Feindseligkeit gegen Muslime auch in der Filmszene von Bombay verläßt Manto 1948 Indien und geht nach Pakistan. Saadat Hasan Manto wurde 1912 im heute zu Indien gehörenden Teil des Panjab geboren und ist 1955 in Lahore in Pakistan, von den Progressiven Schriftstellern ebenso wie vom religiösen Establishment angefeindet und sozial isoliert, nach mehrfacher psychiatrischer Internierung an den Folgen exzessiven Alkoholkonsums gestorben.
Die Vorstellung des Schriftstellers und seiner Werke übernehmen Mitglieder verschiedener Institute der Universität Tübingen.
Veranstaltungsort
- Venue:
- Club Voltaire
- Straße:
- Haaggasse 26b
- PLZ:
- 72070
- Stadt:
- Tübingen
- Land:
-
Beschreibung
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